Kultur in der „guten Stube“

Presse
Wiesbadener Tagblatt
22.04.2011 - NIEDERNHAUSEN

MEIN VEREIN - Erfolg des „Zentrums Alte Kirche“ beruht auf der Arbeit einsatzfreudiger Mitglieder

„Die Alte Kirche ist wie die gute Stube von Niedernhausen“ – Franz Rosenbusch und Ingrid Schikora, 1. und 2. Vorsitzende des Vereins „Zentrum Alte Kirche“ (ZAK) in Niedernhausen sind sich einig in dieser Aussage über den ganz besonderen Veranstaltungsort in ihrer Gemeinde, der als solcher seit über dreißig Jahren besteht.

Eine Kirche als Kulturzentrum - das war die Grundidee einer Bürgerinitiative, die sich 1980 aufmachte, ein 100 Jahre altes Baudenkmal zu retten in einem Ort, der ansonsten kaum historische Bausubstanz aufzuweisen hat. Und das ist das Besondere an der Initiative, die in einen Verein mündete, der seit über dreißig Jahren nicht nur ein Baudenkmal saniert hat und erhält, sondern ganz wesentlich das kulturelle Leben der Gemeinde Niedernhausen prägt: Alles Engagement geschieht ehrenamtlich von den Mitgliedern des Vereins.

Fast 300 Veranstaltungen hat der Verein in 30 Jahren organisiert und durchgeführt - und das, trotz immer wieder langwieriger Bauphasen. Etwa 500 000 Euro sind in den Jahren verbaut worden, die die Vereinsmitglieder über Spenden, Vereinsbeiträge, Überschusse aus Veranstaltungen, öffentlichen Zuschüssen und Zuwendungen im Rahmen der Denkmalpflege aufbringen konnten. „Man muss das Rad nur einmal anstoßen, dann läuft es auch weiter“ - diesem Satz eines der früheren Vorstandsmitglieder ist der Verein immer treu geblieben. Und es hat sich in über dreißig Jahren gezeigt, dass er zutrifft.

Dabei war das Projekt, zu dem sich die engagierten Niedernhausener Bürger 1980 zusammenschlossen äußerst ehrgeizig. Ingrid Schikora und Franz Rosenbusch waren von Beginn an mit dabei. Da stand die 100 Jahre alte katholische Kirche mitten in Niedernhausen und alle konnten zuschauen, wie sie langsam aber sicher verfiel. Dach und Fenster waren längst kaputt, die Fassade marode und feucht. Der Innenraum war im Laufe der Zeit mehr oder weniger geplündert worden. Denn ab 1960 war eine neue, größere katholische Kirche im Ort gebaut und geweiht worden, da die Zahl der Katholiken nach dem zweiten Weltkrieg durch den Zuzug vieler Flüchtlinge sehr viel größer geworden war als in den Jahrhunderten zuvor. Die Tatsache, dass es überhaupt eine katholische Kirche gab, war ebenfalls schon einer Bürger-Initiative in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu verdanken. Katholische Bürger bauten sich die Kirche, die nach vielen Querelen schließlich 1885 geweiht, 1898 in den Besitz der katholischen Kirche überging, 1901 mit einer Priesternebenstelle ausgestattet und 1921 zu einer eigenen Pfarrei erhoben wurde.

„Der erste Jazz-Frühschoppen fand ohne Strom mitten in der Baustelle statt“, erinnert sich Ingrid Schikora, die schon von Anfang an dem Vereinsvorstand angehört und auch heute noch verantwortlich ist fur das kulturelle Programm des ZAK. Die Wiesbadener Juristenband war begeistert von dem Projekt, die alte Kirche zu einem Kulturzentrum zu machen und gab ein erstes Benefizkonzert zugunsten der Sanierung. Weitere Konzerte folgten. Einfache Bänke standen da in dem baustellenartigen Kirchenraum, der mit Birkengrün geschmückt war - auf alten Fotos, die im heutigen Treppenaufgang ausgestellt sind, lässt sich die Situation der alten Kirche noch sehr gut nachvollziehen.

„Am Anfang haben wir sehr viel in Eigenleistung auf der Baustelle gemacht“, erinnert sich Franz Rosenbusch zum Beispiel an die Abdichtung der Fassade. „Unendlich viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit stecken hier drin“, fügt er noch hinzu. Das Dach musste repariert und gedeckt werden, die Fenster wurden mit einfachstem Glas geschlossen, Fußboden und Decke mussten eingezogen werden, schließlich mit zunehmendem Betrieb wurde es nötig, sanitäre Anlagen zu installieren. „Das war gar nicht einfach, dafür einen Platz zu finden“, erzählt Ingrid Schikora. Schließlich wurden im Obergeschoss, das aus der bestehenden Orgelempore entwickelt wurde, Toiletten eingebaut, zu denen man über eine neue Treppe gelangt. Im unteren Bereich ist mittlerweile eine voll eingerichtete Küche installiert. Denn die alte Kirche wird nicht nur für kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Kabarettveranstaltungen und Ausstellungen genutzt, sondern auch für Vereinsfeiern und private Feiern von Mitgliedern vermietet.

15 Veranstaltungen gab es im vergangenen Jahr, zum großen Teil aus dem vereinseigenen Programm, zu einem kleineren Teil auch in Zusammenarbeit mit der Niedernhausener Buchhandlung. Der Krimifrühling fand zum Beispiel auch in der alten Kirche statt.

In den vergangenen Monaten ist es dem Verein gelungen, mit Spendenmitteln neue Kirchenfenster einbauen zu lassen. „Wir haben die Fläche der Fenster geviertelt und jedes Viertel für 500 Euro verkauft“, erzählt Rosenbusch, wie man daran gegangen ist, Spendengelder zu sammeln. Der Rest der Fensterfläche wurde dann aus Vereinsmitteln bezahlt. Fünf neue Fenster, die auch wesentlich zur Wärmedämmung beitragen, sind mittlerweile eingebaut.

Viel Unterstutzung hat der Verein von der deutschen Stiftung Denkmalschutz erfahren, deren Kuratoriumsvorsitzender, der Wiesbadener Professor Gottfried Kiesow, auch persönlich begeistert ist von dem Engagement des Vereins und das Projekt stets wohlwollend begleitet hat.

Musikalisch-kulinarische Weinprobe, Improvisationstheater, Jazz, Kabarett, Comedy und Puppentheater stehen auch in diesem Jahr auf dem Programm. Namhafte Künstler gastieren in dem besonderen Ambiente gern und kommen immer wieder. Auch wenn ihre Gagen teurer werden, versucht der Verein, die Eintrittspreise im Rahmen zu halten. Mehr als 18 Euro kostet keine Karte. „Der Organisationsaufwand allein ist sehr, sehr hoch“, erzählt Ingrid Schikora, die im Durchschnitt jeden Monat eine Veranstaltung zu bewältigen hat. Das werde im nächsten Jahr so nicht mehr weiter gehen können. Die Anzahl der vereinseigenen Veranstaltungen werde runtergefahren.

Überhaupt wird es sehr spannend, wie es vom nächsten Jahr an mit ZAK weitergeht, denn der langjährige Vorsitzende Franz Rosenbusch, seine Frau, die auch im Vorstand mitarbeitet, und auch Ingrid Schikora werden nicht mehr kandidieren für den neuen Vorstand. „Das große Problem ist: wir haben noch niemanden gefunden, der übernimmt“, sagen beide. Viele der über 300 Mitglieder hülfen mit, wenn es nötig sei. „Aber es ist bisher niemand da, der im Vorstand Verantwortung übernehmen will“, ist Rosenbusch einigermaßen besorgt. „Wenn wir nur jemanden der jüngeren Generation fänden“, hofft die 70-Jährige, ohne die im Verein bisher fast nichts läuft.

Aber sie hat den Glauben an das Projekt noch bewahrt: „Ich glaube, dass es weitergeht“, gibt sie sich optimistisch. Schließlich sei der Verein nun so viele Jahre erfolgreich gewesen, seine Veranstaltungen hätten immer Niveau gehabt, so dass die Leute in und um Niedernhausen wussten: „Da kann man immer hingehen.“

Von Beke Heeren-Pradt

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Zentrum Alte Kirche Niedernhausen e.V.

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